• Kate S. Stark

Wie ich meine Bücher diktiere | Mein Schreibprozess

In meinen YouTube-Videos, aber auch im Blogpost mit meinen Tipps, um 10.000 Worte am Tag zu schreiben, habe ich immer wieder erwähnt, dass ich den Großteil meiner Rohfassungen diktiere. Dazu haben mich in letzter Zeit einige Fragen erreicht, also zeige ich euch heute, wie ich meine Rohfassungen diktiere.


Dass es funktioniert und auch richtig Spaß macht, seht ihr beispielsweise auch in diesem Vlog, in dem ich eine Novella innerhalb von 24 Stunden geschrieben habe (trotz royaler Hochzeit). Das Ergebnis, Wayward Witches, ist seit gestern auf Amazon vorbestellbar und erscheint pünktlich zu Samhain (aka Halloween).


Weil ich das schon eine ganze Weile mache, habe ich ein System gefunden, das es mir ermöglicht, nicht nur schneller, sondern auch besser zu schreiben, ohne mental auszubrennen oder wieder wochenlang wegen Sehnenscheidenentzündungen an den Händen nicht arbeiten zu können. Vorneweg möchte ich dazu sagen, dass das nicht automatisch heißt, dass es auch bei euch gleich von Anfang an zu super tollen Ergebnissen führt. Man muss sich erst ans Diktieren gewöhnen, aber ich möchte es wirklich nicht mehr missen.



Wie immer gibt's die Tipps auch zum Anschauen auf meinem YouTube-Kanal.


Warum überhaupt diktieren?

Zugegeben, als ich das erste Mal gehört habe, dass jemand seine Bücher diktiert, hab ich vermutlich genauso verwirrt den Kopf geschüttelt wie einige von euch das jetzt sicherlich tun.

"Das klappt doch niemals!", hab ich gesagt und den Artikel weggelegt und wieder fleißig in die Tasten gehauen. Knapp ein Jahr später saß ich dann mit beidseitiger Sehnenscheidenentzündung daheim. Eine OP wollte ich vermeiden, also musste sich was ändern. Und dann habe ich es einfach ausprobiert, war erst ein bisschen scheu und nicht ganz so zufrieden mit den Ergebnissen, aber ich konnte wenigstens wieder schreiben, ohne starke Schmerzen zu haben.

Nach einer Weile habe ich gemerkt, dass ich durch das Diktieren um einiges schneller geworden bin, als wenn ich ein Buch tippe. Und dass sich dadurch als Bonus auch noch meine Aussprache und generell meine Sprachfähigkeit verbessert hat.

Es gibt sicher noch hundert Gründe mehr, beispielsweise dass sich eine Geschichte durchs Sprechen meist weit natürlicher anhört, als wenn man stundenlang nach den richtigen Worten sucht und einen Satz hundertmal neu schreibt. Für mich war es einfach wichtig, einen Weg zu finden, mit dem ich immer noch so viele Worte schreiben kann wie bisher, nur eben ohne dass meine Gesundheit/Hände darunter leiden müssen.


Vorbereitung vor dem Diktieren

Es gibt einige Dinge, die ich erledige, bevor ich mit dem Diktieren eines neuen Buchs beginnen kann. Das sind meist persönliche Präferenzen, durch die ich weniger abgelenkt bin, wenn ich dann wirklich mit dem schreiben/diktieren beginne, und die mir helfen, einigermaßen den Überblick über den ganzen Prozess zu behalten.


Meine Outline

Ich liebe es, Dinge zu planen, auch meine Bücher. Gerade beim Diktieren ist es wichtig, dass ich eine detaillierte Outline der einzelnen Kapitel habe, damit ich immer weiß, was ich schreiben soll. Es ist eine Sache, vor einer weißen Seite am PC zu sitzen, eine ganz andere, nicht zu wissen, was man sagen soll. Da kam es in der Vergangenheit schon öfter vor, dass ich einfach abgebrochen habe und lieber frustriert die Wohnung aufgeräumt habe.


Für jedes Kapitel beschreibe ich die Handlung stichpunktartig und füge auch noch ein paar Details zu den Handlungsorten, wichtigen Charakteren oder Gegenständen ein. Das erspart es mir, während des Diktierens zwischen meiner Outline und all den Woldbuilding-Dokumenten hin und her zu wechseln, was auch nur wieder Zeit kostet und mich oft den Faden verlieren lässt.


Die Outline selbst erstelle ich mittels der 3-9-27 Methode, über die ich hier auf dem Blog ja bereits ausführlich berichtet habe. Sollte euch diese, meiner Meinung nach, beste Methode zum Planen eines Buches interssieren, habe ich in meiner Download-Bibliothek auch einen ausführlichen PDF-Guide dazu erstellt (natürlich kostenlos).


Meine Schreibstatistik

Wer mir schon länger folgt, sei es nun auf Instagram oder YouTube, hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich gerne Excel und Co. nutze, um Statistiken zu erstellen. Das mache ich einerseits für meinen täglichen Wordcount (also wie viele Worte ich pro Tag geschrieben habe), aber auch für meine einzelnen Buchprojekte.


Vor dem Schreiben/Diktieren eines neuen Buchs erstelle ich eine solche Tabelle, in der ich einerseits den Wordcount pro Kapitel festhalte, aber auch die Zeit, die ich fürs Schreiben benötigt habe. So kann ich dann meinen Durchschnitt errechnen, der mir wiederum sagt, wie viele Stunden ich noch ungefähr benötige, bis dieses Buch fertig ist.


Einerseits motiviert mich das total, weil das meist gar nicht so lange ist, und andererseits finde ich es interessant, zu sehen, wie sich der Wordcount über die einzelnen Phasen meines Schreibprozesses verändert. Ob Worte hinzukommen, oder gelöscht werden. Ich persönlich halte es für sehr wichtig, zu wissen, wie die eigene Schreibfähigkeit funktioniert, weswegen ich so gerne meine Statistiken durchgehe und aus ihnen mehr über mich, meine Bücher und meine Art zu Schreiben lerne.

Falls es euch interessiert, wie ich eine solche Tabelle erstelle, dann sagt es mir gerne in den Kommentaren oder schreibt mir eine Nachricht auf Instagram.


Aufgeräumt Umgebung

Auch wenn ich mir nie einen anderen Job als Autorin vorstellen könnte und unglaublich dankbar bin, dass dieser Traum mit jedem Tag mehr in Erfüllung geht, suche ich nur allzu oft Aufgaben oder Dinge, um mich von der eigentlichen Arbeit, dem Schreiben, abzulenken. Und wenn es ums Diktieren geht, ist die Gefahr, zu prokrastinieren, noch wesentlich höher.

Deswegen nehme ich mir vor dem Beginn eines neuen Buchs ein bisschen Zeit, um meine Wohnung zu putzen, einkaufen zu gehen und all die wichtigen Dinge zu erledigen, die mich sonst vom Schreiben ablenken könnten. Auch mein Essen bereite ich mir oft schon vorher zu, damit ich mir auch darüber keine Gedanken machen muss und mich voll auf das neue Buch konzentrieren kann.


Gemütliche Klamotten, gemütlicher Schreibplatz

Während ich hier sitze und diesen Blogpost schreibe, trage ich ganz normale Bürokleidung, wie ich sie auch im Verlag angehabt habe, auch wenn ich hier ganz allein bin. Das macht mich einfach produktiver, aber beim Schreiben möchte ich mich wohlfühlen, also tausche ich meine engen Jeanshosen und knitterfreie Blusen gegen meinen Schlafanzug oder sonstigen bequemen Gammelklamotten, verlasse den Schreibtisch und schlage meinen Arbeitsplatz auf der Couch oder in meinem Bett auf.


Schreiben ist schon anstrengend genug, da brauche ich nicht auch noch ungemütliche Klamotten, die mich einengen. Es muss gemütlich sein, damit ich mich wohlfühle und mein bestes Ergebnis abliefern kann.


Handy und Tablet laden

Für meinen speziellen Diktatsprozess benötige ich mein Handy und mein Tablet, wohingegen mein Laptop mal Pause hat. Damit mir keines der beiden Geräte abschmiert, achte ich darauf, dass die Akkus immer voll geladen sind. Wäre ja zu ärgerlich, wenn das Handy mitten beim Diktieren ausgeht und alles weg ist oder ich plötzlich nicht mehr auf meine Outline zugreifen kann.


Mein Diktatsprozess

Zum Diktieren benutze ich das Programm Dragon Dictate, das es mir ermöglicht, meine gesprochenen Worte in Text umzuwandeln. Ich habe eine Version, die auch zuvor aufgenommene Audiodateien in Text umsetzen kann, was für mich die beste Art ist, meine Bücher zu diktieren.


Auf meinem Handy habe ich eine stinknormale Diktatsapp, mit der ich mich aufnehme, während ich Stichpunkt für Stichpunkt meine Outline durchgehe und das in Prosa umwandle. Die Outline habe ich auf meinem Tablet geöffnet, oder auf meinem Laptop, sollte ich aus irgendeinem Grund mein Tablet gerade nicht zur Hand haben.

Weil meine Outline so detailreich ist, fällt es mir nicht schwer, die Handlung zu "erzählen" und brauche für ein Kapitel maximal 30 Minuten am Stück. Sollte es länger dauern, mache ich eine Pause dazwischen, um meine Stimme zu schonen, trinke etwas Tee/Kaffee und kehre dann zum Diktieren zurück.


Sollte ich zwischendrin mal nicht weiterwissen oder kurz etwas Trinken wollen, pausiere ich die Aufnahme, damit sie nicht unnötig lang wird, und fahre dann damit fort. Sobald ein Kapitel fertig ist und ich ein neues beginne, starte ich eine neue Aufnahme, weil es das später leichter macht, den Text zuzuordnen.


Da ich mir seit dem Start meines Freiberufler-Daseins ein tägliches Wortziel von 4.000 Worten gesetzt habe, ziehe ich nur noch selten 10k-Tage durch und konzentriere mich stattdessen darauf, pro Tag (und am besten noch vor dem Mittagessen) 90 Minuten Audio aufzunehmen. Das ist meist mehr als mein tägliches Wortziel, aber für mich auf jeden Fall machbar, weil ich ja nicht zur Arbeit muss. Für mich ist das meine Arbeit, auch wenn das nicht immer jeder zu verstehen scheint ...


Was kommt nach dem Diktieren?

Sobald ich meine 90 Minuten geschafft habe oder einfach nicht mehr kann, aus welchen Gründen auch immer, übertrage ich die Audiodateien von meinem Handy auf den Laptop und lasse sie nacheinander von Dragon in Text übertragen.

Diesen Text kopiere ich dann in mein Worddokument und speichere die Audiodatei auf meiner externen Festplatte ab, nur für den Fall, dass ich sie noch einmal brauche. Bisher ist das noch nie vorgekommen, aber ich will einfach vorbereitet sein.


Wenn dann alle Audiodatein umgesetzt und in Word sind, gehe ich die einzelnen Kapitel durch, zähle die Worte und trage diese zusammen mit der Länge meiner Audiodatei in meine Schreibstatistik für das jeweilige Projekt. Die Länge der Aufnahme ist dabei ein grober Richtwert für die Zeit, die ich zum schreiben/diktieren gebraucht habe, damit ich berechnen kann, wie viele Worte pro Minute ich durchschnittlich schreiben kann. Wie gesagt, Schreibstatistiken sind mein Ding.


Und das war's eigentlich schon, was meinen Schreibprozess für meine Rohfassungen angeht. Trotzdem habe ich noch ein paar Dinge, die ich loswerden will und euch vielleicht helfen können, solltet ihr es in Erwägung ziehen, euch ebenfalls das Diktieren anzueignen.


Was sollte man beim Diktieren beachten?

  • Übertragen-Funktion Solltet ihr euch Dragon anschaffen wollen, empfehle ich es euch, eine Version mit dem Übertragen-Feature zu kaufen. Als ich das erste Mal darüber auf YouTube gesprochen haben, musste ein Zuschauer feststellen, dass die nicht in allen Versionen enthalten ist. Und auf das zum Teil enthaltene Headset könnt ihr übrigens verzichten. Das ist der reinste Schrott und nur Geldverschwendung. Kauft euch da lieber ein gescheites, falls ihr nicht eh schon eines habt.

  • Audioformate Falls ihr meinen Diktatsprozess ausprobieren wollt, müsst ihr unbedingt darauf achten, dass eure App, mit der ihr euch aufnehmt, ein Dateiformat nutzt, das Dragon lesen kann. Das ist in der Regel .mp3 oder .wav. Online gibt es zwar Websites oder Apps, die eure Audiodateien übertragen, aber das ist nur unnötige Zeitverschwendung und oft ziemlich nervig.

  • Dragon trainieren Von der Übertragen-Funktion lernt Dragon nicht mit, d.h. ihr solltet zusätzlich hin und wieder Text einsprechen, während das Programm mitläuft, um die Genauigkeit zu verbessern. Ich nehme dazu meistens ältere Kapitel zur Hand und lese sie ein, verbessere Fehler, die Dragon dabei macht und bringe ihm neue Worte oder Namen bei. So erreiche ich dann auch in Zukunft eine bessere Qualität und genauere Erkennung, wenn ich meine Audiodateien von Dragon übertragen lasse.

  • Hörbuchsprecherstimme Auf YouTube wurde ich gefragt, ob das nicht komisch sei, ein Buch zu sprechen, anstatt es zu schreiben. Ja, am Anfang ist es etwas ungewohnt und ziemlich merkwürdig, aber ich stelle mir einfach vor, dass ich ein Hörbuch einspreche und dann ist alles nicht mehr so schlimm. Man hört es mir auch deutlich an, wenn ich Dialoge spreche und meine Charaktere wütend sind. Also ist das am Ende auch eine super Vorbereitung für Lesungen ;)


Ausnahmen bestätigen die Regel

Es gibt einige Fälle, in denen ich nicht so diktiere, wie ich es oben beschrieben habe. Der Vollständigkeit halber, wollte ich das hier auch erwähnen, schließlich gehört das auch zu meinem Schreibprozess dazu.

  • Zur Eingewöhnung tippen Gerade zu Beginn einer neuen Rohfassung, tippe ich gerne die ersten paar Kapitel, um in der Geschichte anzukommen und mich an die Orte und Charaktere zu gewöhnen. Wahrscheinlich würde es auch gut klappen, wenn ich von Anfang an diktiere, aber irgendwie habe ich mir das so angewöhnt und alte Gewohnheiten bekommt man ja immer recht schwer los.

  • Unübersichtliche Kapitel tippen Bei langen Kapiteln, in denen viel auf einmal passiert, oder besonders viele Figuren zu Wort kommen, kehre ich meist auch an den Schreibtisch zurück, weil ich von vergangenen Rohfassungen weiß, dass mir beim Diktieren ein paar Charaktere abhanden kommen oder ich den Faden verlieren könnte. Da ist es für mich leichter, das Kapitel zu tippen, auch wenn das am Ende länger dauert.

  • Dragon trainieren Weil das so ein wichtiger Punkt ist, kommt der gleich zweimal vor. Um Dragon zu trainieren, muss ich mich ebenfalls an den Schreibtisch zurückquälen und dort mit Mikro und laufendem Programm meine Geschichte einsprechen. Das mache ich allerdings nur ein- bis zweimal pro Woche.


Dragon kaufen oder nicht?

Ich will nicht lügen, das Programm kostet schon ein bisschen was (meist gut über 100€), aber wer viel und schnell schreiben möchte/muss, sollte wirklich mal überlegen, ob sich das nicht lohnt. Viele Selfpublisher verfolgen ja eine Strategie, dass sie mit möglichst wenig Abstand ihre Bücher veröffentlichen, um ihre Leser nicht warten zu lassen. Ich gehöre da auf jeden Fall dazu und weiß, wie schnell sich das auf die Gesundheit (körperlich wie mental) schlagen kann. Deswegen greife ich so gerne auf Dragon zurück, weil die Qualität am Ende besser ist als die kostenlosen Programme.

Wer allerdings nur hin und wieder schreibt und das Diktieren einfach mal ausprobieren will, muss nicht unbedingt gleich so viel Geld ausgeben. Ich habe auch einige Kapitel mit der Sprache-in-Text-Funktion bei Google Docs geschrieben oder die Spracheingabe der Handy-Tastatur (kleines Mirkofonzeichen) verwendet. Die Ergebnisse sind wirklich okay, auch wenn nicht immer alles korrekt wiedergegeben wird. Für den Einstieg sind sie gute Alternativen zu Dragon.

Und das ist im Prinzip schon alles, was ich euch zu meinem Schreib- bzw. Diktatsprozess erzählen kann. Solltet ihr noch Fragen haben, schreibt mir gerne einen Kommentar hier, auf YouTube oder eine Nachricht auf Instagram. Und natürlich interessieren mich auch brennend eure bisherigen Erfahrungen mit dem Diktieren. Habt ihr das schon einmal ausprobiert? Wie geht ihr dabei vor?

Über Kate Stark

Schreibt Bücher und macht YouTube-Videos über ihr Autorenleben.
Liebt Social Media, Fantasy, Notizbücher und Schokolade.