top of page
  • AutorenbildKate S. Stark

Obsidian Basics | 1 Prinzip und 6 Methoden hinter meinem Autoren Second Brain


Als ich damit begonnen habe, mein Second Brain zu erstellen und all meine Notizen, Worldbuilding-Informationen und Ideen an einem Ort zusammenzutragen, war ich ziemlich überwältigt. Durch die Wunder der Technik ist mittlerweile so viel möglich, egal welche Programme man zur Organisation der eigenen Notizen und Gedanken nutzt.


Wie soll man da nur den Überblick behalten und Dinge leicht wiederfinden?


Mein erster Instinkt war es, alles wie bisher in Ordner zu packen, obwohl ich schon bei meinem alten System des Chaos wusste, dass das nicht funktioniert und einige meiner Notizen gleich mehreren Ordnern oder Themen zugeordnet werden könnten.


Damit das alles nicht wieder in Chaos ausartet, habe ich beschlossen, mir erst einmal anzugucken, wie das andere machen. Denn ich war mir sicher, dass ich nicht die einzige bin, die damit zu kämpfen hat.


Herausgekommen ist dieses Prinzip und diese sechs Methoden, die ich für meine Zwecke angepasst habe, um nicht nur meinen Job als selbstständige Fantasy-Autorin zu organisieren, sondern gleich mein ganzes Leben und all die chaotischen Gedanken, die mir täglich durch den Kopf gehen.



Quellen dieser Prinzipien und Methoden

Falls ihr noch Inspiration für eure eigene Recherche sucht, habe ich hier eine Liste mit den Büchern, Blogposts und Websites angelegt, die ich bei meiner Suche nach einer Ordnung genutzt habe. Manche davon waren extrem hilfreich, bei anderen konnte ich nur ein paar interessante Tipps und Denkanstöße für mich entdecken.

  • Tiago Forte: How to build a Second Brain (alternativ findet ihr die wichtigsten Infos auch auf seiner Website)

  • Ryder Carroll: Die Bullet Journal Methode (auch hier gibt es eine Website mit den wichtigsten Infos auf einem Blick)

  • Sönke Ahrens: Das Zettelkasten-Prinzip (sehr auf Akademiker ausgelegt, eine Alternative wäre diese Website zum Thema Zettelkasten)

  • Der YouTube-Kanal von Nick Milo (Mit seinem "Linking your Thinking" System habe ich angefangen, Obsidian zu meinem Second Brain umzuwandeln)


Obsidian - Das Zuhause meines Second Brains

Bevor ich meine Recherche rund um das Thema Personal Knowledge Management begonnen und beschlossen habe, alle Ideen, Notizen und Gedanken an einem Ort festzuhalten, hat das Chaos bei mir regiert. Worldbuilding-Informationen, Charakter-Steckbriefe, Buchplanung ... All das war auf unzählige Dateien in diversen Formaten verstreut. Zudem habe ich über die Jahre einige Schreibsoftwares ausprobiert und trotzdem nie das richtige gefunden.


Da etwas wiederzufinden, war fast wie eine archäologische Ausgrabung, nur eben digital.


OneNote fand ich gut und habe es lange Zeit genutzt, aber es hat einige Schwachstellen, die mich auf Dauer Zeit und Nerven gekostet haben und mich von meiner eigentlichen Arbeit abgehalten haben: das Schreiben neuer Bücher.

Also habe ich irgendwann das allmächtige Google nach einer Alternative dazu gefragt und bin auf ein paar Programme gestoßen. Evernote, Roam Research (was meist eher von Akademikern genutzt wird) und Obsidian, damals noch in den Kinderschuhen.


Ich habe mir Tutorials und Walkthroughs angeschaut, aber als ich den Graph von Obsidian gesehen und gehört habe, dass sich die Links automatisch anpassen, sollte ich jemals den Namen der Notiz ändern, war es eigentlich schon um mich geschehen. Denn das würde so vieles erleichtern und mir helfen, schneller durch die unzähligen Notizen, Steckbriefe und Ideen zu navigieren, die sich nach knapp zehn Jahren des Schreibens angesammelt haben.


Deswegen kann ich Obsidian nur wärmstens empfehlen, weil man es so vielseitig anwenden und auf die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Ich nutze es mittlerweile nicht mehr nur, um Informationen zu sammeln, sondern auch um neue zu schaffen, beispielsweise in Form dieses Blogposts hier. Bei zukünftigen Buchprojekten plane ich sogar, sie mit Obsidian zu schreiben, zumindest die Rohfassung.

Durch Obsidian habe ich sämtliche Informationen direkt unter meinen Fingerspitzen. Ein oder zwei Tastenbefehle, eine kurze Suche und ich hätte schon die Notiz aufgerufen, die ich gerade gesucht habe.


Und das Beste: Das Programm ist kostenlos und wird stetig in Zusammenarbeit mit der Community weiterentwickelt.


Trotzdem kann es auf den ersten Blick ziemlich überwältigend sein, praktisch aus dem Nichts ein System für die eigenen Notizen aufzubauen. Deswegen möchte ich euch heute erklären, welche Prinzipien und Methoden meinem Second Brain zugrunde liegen. Vielleicht helfen sie auch euch dabei, etwas Ordnung ins Chaos zu bringen.


Zettelkasten

Während meiner Suche nach einer Methode, um all meine Informationen und Ideen zu ordnen, bin ich von Series Bibles zu Common Place Books und schließlich zum Zettelkasten gekommen, dem YouTube Algorithmus sei Dank. Und das ist das Prinzip, das meinem gesamten System zugrunde liegt und sich auch in vielen weiteren Methoden zum Ordnen von Notizen wiederfindet.


Niklas Luhman, Autor und Soziologe, ist der wohl bekannteste Nutzer eines Zettelkastens. Er hat in seinem Zettelkasten über 90.000 Zettel mit Informationen und Ideen zu diversen Themen gesammelt. Sortiert hat er diese handschriftlichen Zettel in Kästen und sie mittels Querverweisen und Übersichtszetteln auffindbar gemacht. Denn eine Suchfunktion gibt es bei diesem analogen System ja nicht, Ordner ebenfalls nicht. Jeder Zettel wird mit einer eindeutigen Nummer versehen und dann hinter den letzten im System gestellt.


Luhmann hat auch ohne Technik das geschafft, woran ich (und viele andere) immer gescheitert sind. Er hat Ordnung in all diese Notizen gebracht (90.000 sind ja nicht gerade wenig und weit mehr als ich aktuell an Daten habe) und zwar mit den einfachsten Mitteln. Querverweise (oder Verlinkungen) und Übersichtszettel (Sammlugen/Maps of Content).


Auch hier gilt die allgemeine Wahrheit, die ich im Studium gelernt habe: Einfach ist schlau.


Schauen wir uns einige seiner Vorgehensweisen und Prinzipien genauer an ...


Atomic Notes - So kurz und knapp wie möglich

Luhman hat auf seinen Zetteln meist nur wenige Sätze festgehalten und seine Gedanken so kurz und knapp wie möglich festgehalten. Das Wesentliche rückt damit in den Fokus, und der ganze Fluff drum herum hält doch sowieso nur auf.


Während ich dieses Prinzip vor allem bei meinen Notizen zu Ideen, Informationen und Konzepten aus Sachbüchern, Blogposts und Videos anwende, ist das beim Schreiben nicht immer möglich. Manche meiner Charakter-Steckbriefe umfassen einige tausend Worte (der von Isa Finchley, der Protagonistin aus den Witch's World Büchern sogar über 6.000), weil ich dort auch die Backstory festhalte oder die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren.

Trotzdem versuche ich auch hier, mich auf das wesentliche zu beschränken und die Steckbriefe so zu verfassen, dass ich schnell und einfach die Infos finde, nach denen ich gesucht habe.


Und mittlerweile bin ich dazu übergegangen, für die Charakter-Beziehungen eigene Notizen anzulegen, weil ich sie so in beiden Steckbriefen verlinken kann. So muss ich nicht an beiden Steckbriefen herumdoktorn, wenn ich etwas hinzufüge oder abändere, sondern nur an der Notiz zu deren Beziehung.


Übersichtszettel - Mini-Indices für bessere Orientierung

Diese Notizen beinhalten keine neuen Informationen an sich, sondern meist nur eine Sammlung an Querverweisen bzw. Links zu weiteren Notizen, die sich diesem Thema unterordnen lassen. So finde ich beispielsweise unter dem Übersichtszettel "Schreibtipps" eine Sammlung sämtlicher Links, die mit dem Schreiben zu tun haben und zu Einträgen über die Save the Cat Beats oder die Schneeflocken Methode führen.


Sie sind kleine Inhaltsverzeichnisse zu einem bestimmten Thema und ein guter Einstiegspunkt. Genutzt habe ich dieses Prinzip auch schon während meiner Bullet Journal Zeiten und bin ein großer Fan davon. Ja, das klingt ein bisschen wie die klassischen Ordner, aber durch diese Übersichtszettel (die zum Teil auch Collections/Sammlungen oder MOC - Maps of Content genannt werden) kann ich eine Notiz gleich mehreren Themen zuordnen, anstatt sie nur in einem Themenordner abzulegen.


Ich habe so einige MOCs mit eher breiten Themen wie zum Beispiel Kreativität, Produktivität oder eben das Schreiben, aber auch sehr differenzierte MOCs beispielsweise zum Worldbuilding der Witch's World Serie, wobei dieses wiederum zu Sub-MOCs zu einzelnen Themen wie Charaktere, Handlungsorte, Magiesysteme, Objekte oder Kultur dieser Buchreihe führt.


Anmerkung für Obsidian-Nutzer: Wer es gerne visuell mag, kann theoretisch auch die Canvas-Funktion von Obsidian nutzen, um einzelne Notizen wie in einer Art Mindmap miteinander zu verbinden. So mache ich übrigens auch meine Familienstammbäume oder ein Plotboard für mein Buch, mehr dazu in einem anderen Blogpost/Video.


Verlinkung / Querverweise

MOCs funktionieren aber nur, wenn man Querverweise oder Verlinkungen anwenden kann. Nicht jedes Programm ist dazu in der Lage, doch halte ich das für eines der wichtigsten Features, gerade wenn man damit auch sein Wordlbuilding organisieren will.


Luhmann hat in seinem Zettelkasten Querverweise noch händisch angebracht, indem er auf seinen aktuellen Zettel den Namen eines anderen geschrieben hat, der damit in Verbindung steht. Da all seine Zettel chronologisch durchnummeriert waren, war es dann auch nicht schwer, diesen Verweisen zu folgen. Man musste nur wissen, wo sich der betreffende Zettel in all den Kästen befindet und dann vielleicht noch ein bisschen blättern.


Digital ist das weit einfacher und lässt uns mit einem Klick zwischen verlinkten Notizen hin und her springen. Obsidian passt auch Verlinkungen an, sollte man beispielsweise den Dateinamen verändert haben. Etwas, das man bei OneNote beispielsweise noch händisch machen musste. In Obsidian sieht man zudem in einem zusätzlichen Panel, welche anderen Notizen auf die aktuell geöffnete verweisen, und auch in der Graph-Ansicht wird deutlich, was miteinander verknüpft ist, sodass man auch so ganzen Gedankengängen oder Themenfeldern auf den Grund gehen kann.


Ohne Verlinkungen wäre es so viel schwieriger Notizen wiederzufinden. Dann bräuchte man tatsächlich eine Ordneransicht und müsste sich mühsam durch die einzelnen Dateien klicken. Und auch das kostet wieder wertvolle Zeit, während eine Verlinkung dank personalisiertem Tastenkürzel und Obsidians-Funktionalität innerhalb von 2 Sekunden erstellt ist. Ich muss nur STRG+Y drücken und dann den Titel der zu verlinkenden Notiz eingeben, Enter und fertig. Der Link ist erstellt.


Anmerkung für Obsidian-User: Links erstellt man normalerweise, indem man mühsam die eckigen Klammern aufruft. Schneller geht es, wenn ihr dafür ein persönliches Tastenkürzel festlegt. Meines ist STRG+Y, weil das so schön in der Nähe von STRG+X und STRG+C ist.

Externe Links, z.B. zu Websites könnt ihr mit STRG+K einfügen.


Templates - Man muss nicht immer das Rad neu erfinden

Noch bevor ich Obsidian oder überhaupt OneNote für mich entdeckt habe, sondern alles noch mit Word bzw. OpenOffice festgehalten habe, hatte ich schon Templates, also Vorlagen für gewisse Dinge, vor allem aber für meine Charaktersteckbriefe.

Mittlerweile habe ich für sehr viele Dinge Templates angelegt. Für einfache Notizen, sämtliche Arten von Steckbriefen, To-Do-Listen, etc. In Obsidian kann man all diese Templates mit einem einzigen Tastenkürzel aufrufen und dann das auf die neue Notiz anwenden, das man dafür benötigt - oder auch gleich mehrere. Kein ewiges Copy-und-Paste mehr, wie ich das früher noch gemacht habe.


So ein Template erstellt man zwar nur einmal und kann es dann beliebig oft wiederverwenden, wichtig ist aber, dass man nicht zu sehr an der ursprünglichen Form festhält. Wenn ihr merkt, dass ihr ständig einen neuen Baustein zu euren Charakter-Steckbriefen hinzufügen müsst oder einen davon nie verwendet, wird es höchste Zeit, das Template zu aktualisieren.


Anmerkung für Obsidian-User: Um ein Template mittels Tastenbefehl einzufügen, muss man zuvor ein personalisiertes festlegen. Meines ist ALT+T, da STRG+T einen neuen Tab öffnet.

Templates müssen zuvor als eigenständige Notiz erstellt und in einem festgelegten Ordner (z.B. Vorlagen oder Templates) gespeichert werden.


Minimalistisches Design und Formatierung

Ich bin ein sehr design-orientierter Mensch und liebe es, mit verschiedenen Formaten, Schriftarten und Farben zu experimentieren. Aber das ist nicht immer sehr hilfreich, wenn man schnell das Wesentliche einer Notiz erfassen will. Luhmann hatte auf seinen Zetteln kaum Auszeichnungen verwendet, höchstens mal einen roten Farbstift oder eine Unterstreichung.


Durch Obsidian hat man glücklicherweise kaum Optionen, einen Text auszuzeichnen (es sei denn man kennt sich gut mit CSS aus, und da gehöre ich definitiv nicht dazu). Es gibt eine Schriftgröße und -art, 8 Abstufungen bei den Überschriften, kursiv, fett und farbig markiert (mit nur einer Farbe). Und das war's.

Ja, es gibt noch diverse Bausteine, die man einfügen kann, aber selbst dadurch ist man noch recht eingeschränkt, was die Gestaltung angeht. Nicht aber den Raum, den eine Notiz oder eine Idee einnehmen kann. Man kann unendlich viele Dateien zu einem Thema erstellen und miteinander verlinken (vorausgesetzt man hat den nötigen Speicher auf dem PC) und das ist es doch, was zählt. Der Raum, um sich zu entfalten und Ideen weiterzuspinnen, anstatt sich mit der perfekten Darstellung abzumühen.


Vielleicht ist das auch nur ein Kate-Problem, aber durch das minimalistische Design komme ich gar nicht erst in die Versuchung, Stunden mit der perfekten Formatvorlage zu verbringen. Und so kann ich mich wieder auf das Schreiben selbst konzentrieren in all seinen Formen und Phasen.


Suchfunktion - Google für dein zweites Gehirn

Neulich wurde ich gefragt, ob ich ein Foto meiner Second-Brain-Struktur machen kann, wobei damit sicher die Ordnerstruktur gemeint war. Aber die Wahrheit ist, dass ich die kaum noch verwende. Ja, ich habe ein paar Ordner, um gewisse Dinge abzutrennen (Templates in den Templates-Ordner, Projekte und To-Dos in den Projekte-Ordner, Dateien in den Files-Ordner), aber der ganze Rest landet in meinem Input-Ordner. Der Ordner, in dem sämtliche neuen Notizen landen, die ich mit Obsidian erstelle (alle anderen muss ich erst manuell verschieben).


Aber wie findet man da etwas wieder?


Einerseits natürlich über die oben vorgestellten Maps of Content bzw. Übersichtszettel und die Verlinkungen, andererseits aber über die Suchfunktion oder den Quick-Switcher.

Und die Suchfunktion von Obsidian ist wirklich Bombe. Wie Google bloß für das eigene digitale Gehirn.


Viel besser finde ich aber den Quick-Switcher. Aufrufen kann man sie mit STRG+O und dann einfach den Namen der Datei oder ein Stichwort eingeben, das im Titel vorkommt. So muss man nur noch mittels Pfeiltasten die betreffende Notizanklicken und dann auf Enter und schon hat man sie im aktuellen Tab geöffnet.


Unterschied zur Suche: Die Suche zeigt auch sämtliche Dateien an, in der der eingegebenen Suchbegriff auftaucht, was bei den Namen meiner Protagonisten ziemlich häufig der Fall ist. Da ich aber meistens direkt nach Isa Finchley suchen, wenn ich "Isa Finchley" eingebe, geht es mit STRG+O einfach schneller.



Mehr liegt dem ganzen nicht zugrunde. Ich weiß, das klingt alles noch sehr abstrakt, aber mit diesem Wissen und etwas eigener Reflexion kann man schon ein solides eigenes System aufbauen, das für einen selbst funktioniert. Jedes Gehirn ist anders und da hilft es euch nicht, wenn ich euch mein Vorgehen zeige und behaupte, es wäre das beste überhaupt. Was für mich funktioniert, muss nicht unbedingt für euch auch so sein.


Trotzdem werde ich hier und auf YouTube in den nächsten Wochen weitere Beiträge rund um dieses Thema posten und euch sicher auch eine Tour durch mein Second Brain geben.


Wir sehen uns!




0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


Profilbild_kreisförmig.png

Über Kate Stark

Schreibt Bücher und macht YouTube-Videos über ihr Autorenleben.
Liebt Social Media, Fantasy, Notizbücher und Schokolade.

bottom of page