• Kate S. Stark

Wie ich meine Kurzgeschichten plane und strukturiere [mit Beispiel!]


Dass mich Kurzgeschichten in letzter Zeit mächtig beschäftigen, habt ihr mittlerweile sicher gemerkt.

Neulich habe ich euch ja erst 8 gute Gründe vorgestellt, warum wir Autoren Kurzgeschichten schreiben sollten.


Aber wie genau macht man das?
Wie schreibt man eine Kurzgeschichte?

Wahrscheinlich habt ihr dafür schon euren eigenen Prozess, aber ich wollte euch trotzdem zeigen, wie ich meine Storys plane und strukturiere.


Dazu gibt’s natürlich auch ein Video!


Disclaimer

Auch in diesem Blogpost erstmal wieder eine kurze Vorwarnung. Was ich mit Kurzgeschichte oder Story meine, kann sich von euren Vorstellungen und allem, was wir im Deutschunterricht gelernt haben, stark unterschreiben.


Wenn ich von Kurzgeschichten spreche, meine ich kurze Geschichten mit Anfang, Mitte und Ende. Keine literarischen Ansprüche, sondern vielmehr ein Mittel, um selbst in die eigenen Buchwelten und Ideen einzutauchen.


Wenn ihr euch unsicher seid, ob Kurzgeschichten etwas bringen, solltet ihr unbedingt nochmal beim letzten Schreibtipp-Blogpost vorbeischauen. Da gebe ich euch 8 gute Gründe, warum sich das Schreiben von kurzen Geschichten wirklich lohnt.


So, jetzt da das aus dem Weg ist, können wir ja beginnen!


Ein grober Blick auf meine Kurzgeschichten-Struktur

Die Struktur, die ich euch gleich zeigen werde, habe ich bereits in einem früheren Video erklärt. Das ist mittlerweile aber schon ziemlich alt, also war es Zeit für einen Remake. Seitdem habe ich auch einige Storys mehr geschrieben und dazugelernt.


Ich teile meine Kurzgeschichten in 5 Kapitel oder Abschnitte ein.

Je nach Länge eurer Story müssen das keine einzelnen Kapitel sein, sondern vielleicht nur ein Absatz oder eine kurze Szene. Das ist hauptsächlich der Übersichtlichkeit wegen.


  • Abschnitt 1 ist die Einführung in die Story

  • Abschnitt 2 beschreibt das Problem der Geschichte

  • Abschnitt 3 ist die Provokation des Charakters

  • Abschnitt 4 zeigt dessen Reaktion/Aktion

  • Abschnitt 5 ist die Auflösung der Geschichte.


Die Kurzgeschichten-Struktur im Detail

Schauen wir uns das mal ein bisschen genauer an:


Abschnitt 1 - Einführung

  • Hier stellt ihr den Protagonisten in seiner Alltagswelt vor und zeigt den Handlungsort.

  • Gebt dem Leser ein Gefühl für Zeit und Ort.

  • Tipp: Sucht euch, auch wenn es nur die Einführung ist, eine spannende Szene oder einen für den Leser ungewöhnlichen Moment aus.

Abschnitt 2 - Problem/Konflikt

  • Hier beschreibt ihr das Problem, das der Charakter plötzlich hat.

  • Außerdem könnt ihr diesen Abschnitt nutzen, um den Rest der Story vorzubereiten, indem ihr mögliche Konsequenzen andeutet, vielleicht auch schon mögliche Lösungen (die aber nicht immer zum Ziel führen könnten) oder wie sich das Problem verschlimmern kann.

  • Euer Protagonist sollte zunächst noch nicht auf das Problem reagieren, es aber definitiv bemerken.

Abschnitt 3 - Provokation

  • Hier verschlimmert sich das Problem plötzlich, womit ihr dem Protagonisten einen Grund zum Handeln gebt.

  • Lasst ihn wenigstens anders über die Situation denken.

  • Hier mache ich meine Probleme gerne persönlich für meine Charaktere, sodass es ihnen regelrecht unter die Haut geht und schlaflose Nächte bereiten würde, sollten sie sich nicht endlich darum kümmern.

Abschnitt 4 - Reaktion/Aktion

  • Der Charakter entscheidet sich dazu, etwas gegen das Problem oder den Konflikt zu unternehmen und tut etwas dagegen.

  • Ich plane im Voraus immer einige mögliche Aktionen, die mein Charakter an dieser Stelle vornehmen könnte. Die erste Idee ist nicht immer die beste und meistens kommen beim Brainstorming noch viele weitere dazu.

  • Es muss auch nicht bei einer einzigen Aktion eures Charakters bleiben. Gerade bei längeren Storys bieten sich drei oder mehr an, wobei die ersten scheitern oder zumindest nicht so laufen sollten, wie sich das der Charakter vorgestellt hat. Die letzte hat jedoch große Auswirkungen auf das Problem. Gute oder schlechte, das ist eure Entscheidung.

Abschnitt 5 - Auflösung

  • Hier zeigt ihr die Konsequenzen, die das Handeln eurer Charaktere letztendlich hatte.

  • Es kann ein Happy End sein, ein schlechtes oder gar ein offenes.

  • Trotzdem würde ich dem Charakter (und damit auch dem Leser) immer etwas mitgeben, was ihn verändert hat. Dass er nicht mehr dieselbe Person ist, die euer Protagonist noch zu Beginn der Story war.


Praktisches Beispiel für die Kurzgeschichten-Struktur

So viel zur Theorie, aber lasst uns auch mal anschauen, wie sich das dann in der Praxis niederschlägt. Als Beispiel verwende ich meine eigene Story Das Erwachen meiner Seele, die es für meine Newsletter-Abonnenten kostenlos auf meiner Website zu lesen gibt.


Hier könnt ihr euch anmelden und erhaltet danach Zugang zur Goodie-Übersicht!


Spoiler-Warnung

Die Story handelt von Kilian Winter, einem der Protagonisten aus der Deine Seele Trilogie. Spoiler zur Trilogie sind nicht enthalten, aber es ist nun mal seine Vorgeschichte. Wollte ich nur gesagt haben …

Um was geht’s genau?

Grob gesagt handelt die Geschichte davon, wie Kilian zum Seelenführer wurde (also eine Art Todesengel, der Seelen Verstorbener ins Jenseits begleitet).


Dazu muss er nur erstmal sterben und das passiert in Kapitel 1 (= Abschnitt 1).

Kilian war in seinem letzten Leben Söldner und kämpft kurz vor seinem Tod auf dem Schlachtfeld.

Heißt: Ich zeige Kilian in einer brenzligen und doch recht alltäglichen Situation und beschreibe das Schlachtfeld und das Chaos des Krieges.

Am Ende des Kapitels stirbt er und beendet so sein letztes Leben. Und natürlich wird er von einem Seelenführer, sein späterer Mentor Gabriel, ins Jenseits gebracht.



Das ist natürlich erstmal ein Schock für ihn, wie wir in Kapitel 2 sehen (= Abschnitt 2).

Gabriel erklärt ihm, dass er tot ist und Kilian ist natürlich erstmal sehr erschüttert.

Er hat keine Ahnung, was er tun soll und fürchtet, dass er die Lande der Lebenden nie wiedersehen wird.

Einen Drang, wieder in den Fluss des Lebens zu springen (und damit ein neues Leben zu beginnen), hat er nämlich nicht. Und das ist ein Problem (mal abgesehen davon, dass er alles hinter sich lassen musste, als er gestorben ist).

Und um noch einen obendrauf zu setzen, taucht plötzlich ein Ewiger auf, einer der Wächter des Jenseits.


Das passiert nur extrem selten und ist eine unglaubliche Ehre, wie wir in Kapitel 3 erfahren (= Abschnitt 3).

Der Ewige will aber nicht nur “Hallo”-sagen, sondern hat noch eine ziemlich krasse Offenbarung für Kilian.

Er und die anderen Ewigen haben ihn beobachtet und bieten ihm nun die Chance, ein Seelenführer zu werden und anderen verlorenen Seelen zu helfen.

Und vielleicht war Kilians Tod auch nicht bloß ein Zufall …

Kilian ist natürlich nicht begeistert, deswegen einfach so aus seinem Leben gerissen worden zu sein.


Das ändert sich jedoch etwas, als seine Erinnerungen an frühere Leben zurückkehren, wie es zu Beginn von Kapitel 4 passiert (= Abschnitt 4).

Kilian ist überrascht über all die Dinge, die er bereits erlebt hat und traurig, dass er das alles wieder vergessen wird, sobald er ein neues Leben antritt. So war es schließlich auch beim letzten.

Aber: Er muss eine Entscheidung treffen, die seine komplette Existenz auf den Kopf stellen könnte. Wird er Seelenführer oder macht er weiter wie bisher?

Am Ende des Kapitels hat er seine Entscheidung getroffen.


Und im 5. Kapitel erfahren wir auch, was er tun wird und welche Konsequenzen das hat (= Abschnitt 5):

Er will Seelenführer werden, weil er so neue Welten entdecken kann und sie nicht wieder vergessen muss wie bisher.

Der Ewige macht Gabriel zu Kilians Mentor und schickt sie über den Fluss des Lebens zurück ins Diesseits.

Ich habe ein recht offenes Ende gewählt, schließlich sehen wir Kilian später in der Deine Seele Trilogie wieder. Dort sehen wir dann die Konsequenzen seiner Entscheidung in allen möglichen Facetten.


Und das ist die Struktur, die ich für meine Kurzgeschichten verwende.


Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit der Kurzgeschichten-Struktur

Jede Geschichte ist anders, weswegen ich mich nicht zu sehr darauf versteife. Mal sind es mehr als 5 Kapitel, mal weniger. Aber vielleicht hilft sie denjenigen unter euch, die sich auch mal an einer kurzen Geschichte versuchen möchten.


Ich nutze diese Struktur übrigens auch, um grob den Character-Arc oder einen Subplot meiner Romane zu planen, weil darin alles enthalten ist, was man braucht. Anfang, Mitte, Ende. Setup, Konflikt, Aktion und Konsequenzen.

Pssst: Fürs Pseudonym nutze ich die übrigens auch :D


Vermutlich könnte man die Struktur auch für einzelne Buchkapitel verwenden oder Szenen daraus. Sie ist also vielseitig einsetzbar, auch wenn ihr keine Kurzgeschichten schreiben wollt.


Wie schreibt ihr sonst eure Kurzgeschichten? Benutzt ihr eine ähnliche Struktur oder schreibt ihr einfach drauf los?

Schreibt’s in die Kommentare!


Ich freue mich auf euch!

eure kate


PS: Vergesst nicht, euch für den Newsletter anzumelden, wenn ihr Kilians Vorgeschichte lesen wollt ;)


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Über Kate Stark

Schreibt Bücher und macht YouTube-Videos über ihr Autorenleben.
Liebt Social Media, Fantasy, Notizbücher und Schokolade.