• Kate S. Stark

Den falschen Zielen nachgejagt | Getting my shit together


Mein Leben lang habe ich versucht, es anderen recht zu machen.

Ich wollte immer die Beste sein in dem, was ich tue, um Anerkennung zu bekommen. Ansonsten hat es sich immer so angefühlt, als würde ich verschwinden. Als würde mich niemand mehr wahrnehmen.


Ich wollte auch gehört werden, wollte zeigen, dass ich auch etwas kann, jemand bin.

Die Hübscheste bin ich nicht, auch nicht die Schlauste oder die beste Künstlerin. Aber Schreiben war etwas, was ich lernen konnte. Und was mir Spaß gemacht hat.

Deswegen bin ich jahrelang eben diesem Ziel nachgejagt: Meine Bücher zu veröffentlichen und als Bestseller-Autorin für Aufsehen in meinem Umfeld zu sorgen.


Aber hat mich das auch wirklich glücklich gemacht? Hat es überhaupt funktioniert?

Die Antwort ist ein klares Nein zu beiden Fragen.



Vom Wollen und Brauchen

Viele von euch, die diesen Blogpost lesen oder das Video dazu gucken, sind selbst Autoren. Ob hobbymäßig oder professionell ist ganz egal. Ihr wisst, dass in jedem Buch die Charaktere herausfinden müssen, dass das, was sie wollen, nicht immer das ist, was sie brauchen, um glücklich zu sein.


Und ich glaube, das trifft auch auf so viele von uns zu. Auch auf mich, wie ich hoffentlich mit dieser emotionalen Einleitung gezeigt habe.

Es hat unglaublich lange gedauert, bis ich mir das eingestehen konnte, aber nun da ich das weiß, kann ich nach dem Etwas suchen, das ich wirklich brauche.


Ich glaube, mein Problem, aus dem dieses „falsche“ Ziel entstanden ist, ist meine eigene Schüchternheit. Meint man wahrscheinlich nicht, wenn man mir auf YouTube zuguckt, aber mir fällt es ungemein schwer, auf andere Leute zuzugehen. Oder auf mich aufmerksam zu machen und meine Meinung zu sagen, vor allem wenn sie sich von dem allgemeinen Konsens unterscheidet.


Etwas gut zu machen und dafür vor anderen gelobt zu werden, ist vermutlich mein Weg gewesen, um auf mich aufmerksam zu machen. Teil eines Gesprächs zu werden.

Es gibt Leute, die sind wirklich gut darin, sich in den Vordergrund zu drängen, laut zu sein und dafür zu sorgen, dass man mit ihnen und/oder über sie spricht. Ich gehöre da nicht dazu und musste irgendeinen anderen Weg finden, um doch irgendwie aus der Masse hervorzustechen.


Ein Warnsignal aus der Vergangenheit

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir eines meiner Bewerbungsgespräche ein. Ein Assensment Center bei Random House mit fast 20 anderen Teilnehmern.


In den Einzelaufgaben war ich wirklich gut und vorne mit dabei. Aber es gab eine große Gruppenarbeit, bei denen wir mit 3-4 anderen Teilnehmern ein neues Verlagslable gründen und uns mögliche Buchtitel für eine spezielle Zielgruppe ausdenken sollten. Jeder zunächst allein, danach sollten wir darüber diskutieren, welche davon wir schließlich den Personalern präsentieren wollen.


Und in meiner Gruppe waren ein oder zwei dabei, die wirklich zu der lauten Sorte Mensch gehört haben. Die sich gegen alle anderen und natürlich vor allem gegen mich durchgesetzt haben.

Die Titel, die wir letztendlich für unsere Präsentation ausgewählt haben, waren Titel, die ich persönlich nicht geeignet für die Zielgruppe gehalten habe. Aber es waren Titel, die sich diese beiden „lauten Teilnehmer“ überlegt hatten. Und ich hatte nicht den Mut, etwas dagegen zu sagen, weil ich als Teamplayer dastehen wollte.


Und genau das hat mir am Ende den Job gekostet.


Im Einzelgespräch mit der Ausbilderin kam dann raus, dass sie mir angesehen hat, dass ich widersprechen wollte, und sie sehr enttäuscht war, dass ich nichts gesagt habe.

Keine Ahnung, ob letztendlich diese beiden lauten Teilnehmer genommen wurden oder nicht. Aber weil ich dachte, dass man von mir erwartet, eine Teamplayerin zu sein, habe ich einen Ausbildungsplatz bei einem der größten Verlage nicht bekommen.

Weil ich nicht ich selbst war. Weil ich nicht gesagt habe, was ich wirklich gedacht habe. Weil ich das tun wollte, wovon ich dachte, dass es von mir erwartet wurde.


Und das ist leider nicht das einzige derartige Geschehnis, das so abgelaufen ist ...


Warum mich das Veröffentlichen nicht glücklich macht

Ich habe jahrelang auf die Veröffentlichung meiner Bücher hingearbeitet, davon geträumt, wie glücklich ich mich danach fühlen würde, wie viel besser mein Leben werden würde, weil ich dann auch etwas „Großartiges“ geschafft habe.


Tja, der Schuss ist nach hinten losgegangen. Ein Buch zu veröffentlichen hat mich nicht glücklicher gemacht, eher im Gegenteil. Es macht mir Angst und bereitet mir schlaflose Nächte.


Was mich eigentlich glücklich macht, ist das Schreiben selbst. Und nicht das verwässerte „Schreiben“, das ich in den letzten zwei oder drei Jahren betrieben habe.

Nein, das Schreiben, mit dem ich angefangen habe. Einfach das zu tun, das zu schreiben, was ich wollte und nicht auf Trends oder andere Autoren zu hören. Ich konnte stundenlang an meinen Büchern arbeiten, habe regelrecht die Zeit vergessen, anstatt wie heute an einem 30 Minuten Schreibsprint zu scheitern, weil ich einfach komplett frustriert war.


Ich habe mir durch diesen dummen Gedanken, mir mit meinen Büchern einen Namen machen zu wollen, genau diese Liebe und Leidenschaft fürs Schreiben genommen und so einige Fehler gemacht, die sich jetzt negativ auf meine Karriere auswirken.

Ich wollte zu schnell zu viel und je länger sich der Verlagsvertrag oder das Schreiben meiner Storys hinausgezögert hat, umso schlimmer wurde dieses Gefühl, nichts wert zu sein.


Gefüllt habe ich dieses "Loch" mit noch mehr "Produktivität“ und krassen Challenges, um mich besser zu fühlen. Funktioniert hat es allerdings nicht.

Über zwei Jahre (eigentlich noch länger) hat es gedauert, bis ich das erkannt habe. Aber mittlerweile weiß ich, dass das nicht gut für mich ist. Dass ich damit aufhören und wieder zu diesem richtigen „Schreiben“ zurückkehren muss.


Und wie soll es jetzt weitergehen?

Statt die Zeit zu messen, die ich gebraucht habe, um dieses oder jenes Buch zu schreiben, und dabei so produktiv, effizient und schnell wie möglich zu sein, wie ich es beim Hexenprojekt oder Die Dunkelheit deiner Seele getan habe, möchte ich wieder darin versinken, die Zeit vergessen und in meinen erfundenen Welten aufgehen.


Das klingt alles so romantisch und recht unrealistisch, schließlich kann ich davon nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten. Oder?


Die Wahrheit ist: Ich weiß es nicht, aber ich werde es ausprobieren, auch wenn es bedeutet, mir weiterhin Teilzeitjobs suchen zu müssen und zu sparen, um mir diesen Traum zu verwirklichen.

Aber ich bin fest davon überzeugt, dass sich dadurch die Qualität meiner Bücher verbessern wird. Weil ich mehr Zeit in sie investiere, ohne mich schuldig oder schlecht fühlen zu müssen.

Das Schreiben bedeutet mir zu viel, um es aufzugeben. Aber genau daran habe ich gedacht, nachdem sich dieses Glücksgefühl nach den Veröffentlichungen nicht eingestellt hat.

Klar ist es schön, wenn andere Leute meine Bücher lesen, wenn ich damit mein Geld verdiene, aber mir ist es wichtiger, dass ich Spaß am Schreiben habe. Dass ich Dinge schreibe, die mich glücklich machen, und nicht Dinge, die gerade zu diesem oder jenem Trend passen oder sich besser verkaufen lassen. Denn wenn ich ehrlich bin, hat das auch nicht funktioniert.


Mir ist bewusst, dass einige von euch, meine Videos aber gerade deswegen anschauen oder meine Blogposts deswegen lesen. Weil ich darin so produktiv rüberkomme und euch motiviere selbst an euren Projekten und Träumen zu arbeiten. Aber das bin nicht wirklich ich und recht viel länger hätte ich das nicht mehr durchgehalten und vermutlich komplett aufgegeben.


Mir ist auch bewusst, dass einige von euch sicher nicht mehr an meinem Content interessiert sind, wenn ich ihn jetzt ändere. Aber das ist okay. Ich wünsche euch ganz viel Erfolg für eure Projekte und würde mich freuen, wenn ihr trotzdem noch hin und wieder hier vorbeischaut.

Aber ich kann so einfach nicht mehr weitermachen. Ich kann nicht mehr die Autorin sein, die diese krassen Challenges durchführt.


Ich möchte stattdessen wieder mehr wie die alte Kate sein. Wie die Kate, die sich stundenlang mit ihren Büchern beschäftigen konnte, ohne jemals die Lust daran zu verlieren oder sich selbst bestechen musste, um überhaupt irgendetwas zustande zu bringen.


Denn das ist die Kate, die am glücklichsten war. Und genau das fehlt mir aktuell in meinem Leben.


Mein Rat an euch

Falls ihr es bis hierhin durchgehalten habt, bitte ich euch, auch mal darüber nachzudenken, ob das, was ich wollt und worauf ihr unablässig hinarbeitet auch wirklich das ist, was ihr braucht, um glücklich zu sein.


Für euch mag das vielleicht ganz anders aussehen als bei mir. Aber ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass ihr das findet, was euch wirklich glücklich macht. Und nicht das, wovon ihr denkt, dass andere euch dadurch mehr respektieren.


Um es grob mit Maya Angelous Worten zu sagen: Allein so wie ihr seid, seid ihr genug. Ihr braucht es niemand anderem zu beweisen.


You alone are enough. You have nothing to prove to anybody. – Maya Angelou




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Über Kate Stark

Schreibt Bücher und macht YouTube-Videos über ihr Autorenleben.
Liebt Social Media, Fantasy, Notizbücher und Schokolade.